Pflegenotstand oder bereits Krise ?

Die Pflege ist zu wenig, sind wir noch beim Notstand oder schon in der Krise? 
Auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit wird eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlicht, die für Pflegekräfte wenig verwunderlich ist und dennoch die Defizite heute anzeigen. Ginge man nach dieser Studie, benötigen wir in den nächsten 25 Jahren insgesamt doppelt so viele Pflegekräfte wie bisher. Nach der Studie soll es einen ungedeckten Bedarf von etwa 80.000 Pflegekräften geben. In unserem Bericht Pflege bildet schlecht aus , werden seitens der Linken schon jetzt 100.000 mehr Pflegekräfte gefordert, also 20.000 mehr als prognostisch gedacht waren. Hinzu kommen die Menschen aus der Betreuung, die zunehmend Pflege am Menschen übernehmen müssen, trotz Verbotes.
Immer deutlicher wird, wie sehr die Pflege tatsächlich am Ende ist. Aus unserem Bericht Flüchtlinge und Pflege wird zusätzlich klar, dass diese Studie in ihren Zahlen hinfällig sein dürfte, da der Strom an Flüchtlingen sicherlich nicht berücksichtigt wurde.
Kinderkrankenschwester

Der Bericht des Bundesministeriums:

Zunahme der Pflegebedürftigen

Die Bevölkerung in Deutschland unterliegt einem raschen Alterungsprozess. Die Zahl der alten Menschen und ihr Bevölkerungsanteil nehmen zu. Da Menschen mit steigendem Alter vermehrt pflegebedürftig sind, wächst auch die Anzahl der pflegebedürftigen Personen. Zwischen 1999 und 2013 ist sie von zwei auf 2,6 Millionen gestiegen. Unter der Annahme, dass die alters- und geschlechtsspezifischen Pflegequoten unverändert bleiben und sich die Bevölkerung entsprechend der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung entwickelt, würde die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2060 auf 4,7 Millionen steigen. Damit wären sechs Prozent der Gesamtbevölkerung pflegebedürftig, ein doppelt so hoher Anteil wie heute.

Der demografische Wandel betrifft die Pflege in doppelter Weise. Mit der Alterung der Bevölkerung steigt die Nachfrage nach professioneller Pflege. Zugleich sinkt das Arbeitskräftepotenzial, aus dem der Bedarf nach Pflegefachkräften gedeckt werden kann.

männchen

Pflegekräftemangel – Bedarf an Pflegekräften

Die Altenpflege gehört zu den besonders stark wachsenden Dienstleistungsbranchen und bietet eine sichere Beschäftigungsperspektive. Die Zahl der Altenpflegefachkräfte in ambulanten Pflegediensten und Pflegeheimen hat sich zwischen 1999 und 2013 um 108 % erhöht, die Zahl aller in der Altenpflege Beschäftigten ist im selben Zeitraum um über 60 % auf rund 1.005.000 gestiegen – die Zahl der Pflegebedürftigen hat im gleichen Zeitraum deutlich weniger stark, nämlich um rund 30 %, zugenommen (Zahlen jeweils aus der Pflegestatistik 2013).

Bereits heute fehlen in den Pflegeberufen Fachkräfte. Amtliche Angaben zur Zahl aller nicht besetzten Stellen in den Pflegeberufen liegen allerdings nicht vor. Indizien für bestehende Engpässe können aus der Arbeitsmarktberichterstattung der BA (Stand: Juni 2015) entnommen werden. Stellenangebote für examinierte Altenpflegefachkräfte und -spezialisten sind demnach im Bundesdurchschnitt 123 Tage vakant (+50 Prozent gegenüber insgesamt). Auf 100 gemeldete Stellen (außerhalb der Zeitarbeit) kommen rechnerisch lediglich 46 Arbeitslose.

Aufgrund des zu erwartenden Anstiegs der Zahl der Pflegebedürftigen wird auch der Bedarf an Pflegekräften in den kommenden Jahrzehnten weiter stark ansteigen.

Prognosen über den künftigen Personalbedarf in den Pflegeberufen wurden von verschiedenen Forschungsinstituten erstellt und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sie sind abhängig von einer Vielzahl von Faktoren. Der zusätzliche Ersatz- und Expansionsbedarf an Pflegefachkräften hängt neben der Bevölkerungsentwicklung und der tatsächlichen Pflegefallhäufigkeit u. a. von der Entwicklung von ambulant und stationär Gepflegten, dem Verhältnis von Fachkräften zu Hilfskräften, Ersatzbedarf durch Ausscheiden aus Altersgründen, Unterbrechungszeiten/Verweildauer im Beruf, Entwicklung der Arbeitszeit, aber auch von der Existenz alternativer Unterstützungsangebote etc. ab.

Nach einer Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnte sich der Personalbedarf in der Pflege (Fach- und Hilfskräfte) bis 2050 – im Extremfall – auf bis zu 1,5 Mio. Vollzeitkräfte mehr als verdoppeln (Ende 2011: 673.000 Vollzeitkräfte). Unter der Annahme, dass der Anteil Pflegebedürftiger in den Altersgruppen im Prognosezeitraum sinkt, schätzt das DIW einen Pflegekräftebedarf bis 2050 von ungefähr 850 000 Personen (also rund 200.000 mehr als heute). Durch verbesserte Attraktivität dieses Berufes und gezielte Zuwanderung könnte der Arbeitskräftemangel nachDIW-Einschätzungen bei sinkenden altersspezifischen Pflegewahrscheinlichkeiten bis auf 15.000 reduziert werden. Das Statistische Bundesamt geht in einer im Jahr 2010 gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlichten Projektionsstudie von einem voraussichtlichen ungedeckten Bedarf an ausgebildeten Pflegekräften in Höhe von (je nach Szenario) 135.000 bis 214.000 Pflegevollkräften bis zum Jahr 2025 aus.

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