Pflegemafia – wie sie funktioniert

Die Pflegemafia ist aufgeflogen. Aktuell wird in allen Medien davon berichtet, wie sehr die „Russen“-Pflegedienste die Krankenkassen um Milliarden prellen. Doch wie geht das Ganze und warum schweigen sich alle darum aus? Will man Nachahmer vermeiden? Will man der Tatsache nicht ins Auge sehen, dass viele dieser Pflegeeinrichtungen stillschweigende Helfer hat, teilweise wissentlich, teilweise unwissentlich. Wir klären auf !

Der Betrugsfall, der nun in den Medien hochgekocht wird, besteht schon viele Jahre und ist unausgesprochen bei den meisten Unternehmern bekannt. Beweise für einen solche Betrugsfälle aber fehlen oft. Wir wollen hier einmal aufklären und aufzeigen, was hinter dem Betrug tatsächlich steht, wie das funktioniert und warum kaum etwas unternommen wurde.

mafia

Zur besseren Darstellung nehmen wir eine fiktive Situation, die sich möglicherweise so abgespielt haben könnte.

Ein Pflegedienst, der regulär gemeldet ist, hat Patienten, die er auch nach den Regeln des Gesetzes versorgt und die Rechnungen an die Krankenkasse schickt. Er verdient Geld wie jeder andere auch. Die Tatsache allein, dass es reguläre Pflegedienste sind, stellt die schwierigste Grundlage dar, die schwarzen Schafe ausfindig zu machen. Nun bekommen diese Pflegedienste zunehmend und überwiegend neue „Kunden“ aus dem fremdsprachigen Bereich. Hier wird überwiegend an Russen gedacht, tatsächlich aber sind alle Herren Länder vertreten. Menschen die in Deutschland leben und Sozialhilfe beziehen. Der Pflegedienst bietet sich hier an und übergibt Ihnen, nachdem sie brav die Leistungsnachweise zur Abrechnung unterschrieben haben einen Umschlag mit einer ausgemachten Geldsumme. Betreut oder versorgt werden sie aber nicht, lediglich einmal im Monat fährt jemand zur Unterschrift dort hin und überbringt eben diesen Umschlag mit Geld. Die Methode ist immer die selbe, keine Unterschrift, kein Geld. Beide Seiten profitieren davon und entwickeln dadurch ein Abhängigkeitsverhältnis voneinander. Der Pflegedienst kassiert dann bei den Krankenkassen problemlos zwischen 1000 und 5000 Euro pro Monat ab.

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Der Antrieb beider Seiten ist ebenfalls immer der Selbe, das schnelle Geld lockt. Problematisch wird es aber dann, wenn die Personen dann irgendwann tatsächlich Pflege benötigen, das Geld dafür ist weg und die Leistungen können und werden nicht erbracht.

Die dazugehörigen Dokumentation und Akten werden im Büro entsprechend aufbereitet und gefälscht, so dass sie einer Routineprüfung jederzeit standhalten könnten. Millionen an Euro fließen in die Taschen dieser „Pflegemafia“, der einzelne Mittäter am Schreibtisch, erhält oft nur ein kleines Schweigegeld. In Köln ist aktuell ein Pflegedienst vor Gericht und muss sich nun dafür verantworten. Hier gab es Personen, derer man habhaft werden konnte, meistens aber sind die Besitzer im Ausland verschwunden, wenn die Situation aufzufliegen droht. Etwas später tauchen sie unter anderem Namen wieder auf und beginnen von vorn mit der Arbeit. Der Pflegedienst aber in Köln fiel deswegen auf, weil er bei 450 Patienten nur offiziell 20 Mitarbeiter hatte. Hier war der Besitzer offensichtlich unvorsichtig geworden und hat die Außendarstellung nicht genau genommen. Ein Urteil steht derzeit noch aus.

Bisher war der MDK dagegen weitgehend machtlos, da er den Tatbestand des Abrechnungsbetrugs nicht nachweisen konnte, denn die Akten stimmten ja, der Patient bestätigte alles und diese Pflegedienste bekamen meist auch gute Transparenznoten mit zufriedenen Kunden. Die Pflegekräfte die daran beteiligt sind und waren, kamen auch nicht ohne Geld da heraus und schwiegen zu den Betrügereien. Die Krankenkassen haben durch ihren rationalisierungstrieb und dem eigenen Druck, ständig durch weniger Personal mehr Gewinne einfahren zu müssen, dieser Methodik Vorschub geleistet. heute sind dieselben Kassen kaum in der Lage, die ganzen Fälle überprüfen zu können. Die Regierung, die die Pflegesätze auf ein beschämendes Maß heruntergeschraubt hatte, stehen nun vor der unlösbaren Aufgabe, die schwarzen Schafe zu finden . Ist das alles eigentlich ein hausgemachtes Problem, wo Betrüger die Lücken des Systems zur Nutze machen?

Wir können aber etwas tun, wenn wir als Pflegekräfte den Mut haben, solche Straftaten zu melden, sie zumindest anonym weiter zu geben. Außenstehende , wie MDK, Krankenkassen und auch Ärzte, die teilweise mit daran beteiligt sind schweigen. Tut also ein jeder etwas für die bessere Pflege und meldet solches Vorgehen bei der nächsten Krankenkasse, dem MDK oder auch Polizei, den erst dann fliegen solche Dienste auf .

Dieser Beitrag soll nicht zum Nachahmen auffordern, im Gegenteil, es soll animieren, solche Betrugsfälle öffentlich zu machen.

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