Seit den ersten Schritten der Problematik der Pflege besteht eine echte Personalgefahr. Der Pflegenotstand mutiert langsam zur Pflegekrise, die Unzufriedenheit der Pflegekräfte wird immer lauter, deutlicher und klarer benannt. Die Regierung weiß um die Situation und unternimmt Schritte, zur Verbesserung, doch genau hier liegt das Problem. Mit zu wenig Verständnis um die Pflegesituation, insbesondere der Gründe, warum es heute eine Pflegekrise gibt. Viele Einrichtungen, Gewerkschaften und auch die Regierung sind der Ansicht, dass ein höheres Gehalt in der Pflege der richtige Weg ist. Mehr Geld mag für die Einzelne Person eine gute Sache sein, löst aber keineswegs die Pflegesituation, denn die Belastung bleibt gleich. Die angestrebte Personaluntergrenze in den Kliniken bewirkt bestenfalls eine Veränderung der Pflegekräfte in ihrer Einstellung, nicht aber die Arbeitssituation, denn dafür reicht das Gesetz nicht im Ansatz aus.

Erst das gestrig geführte Gespräche mit Mitarbeitern der Uniklinik Düsseldorf machte deutlich, dass die Personaluntergrenze durch Verschiebung von Pflegetätigkeiten erreicht wird. So werden einzelne Bereiche nun durch andere Qualifikationen besetzt und die dadurch gewonnen Pflegekräfte in die offenen Lücken innerhalb des Betriebes gestopft. Verdi hat hier kaum sein Ziel erreicht. Das Ziel, mehr Pflegekräfte zu bekommen, endet hier in einem Umschlagbahnhof, wo Personal schlichtweg umgeleitet wird, denn neue Pflegekräfte gibt es nicht!

Die Tarifverhandlungen verschiedener Gewerkschaften und Tarifpartner endeten mit einer Lohnerhöhung, was sicherlich erfreulich ist und dennoch einen faden Beigeschmack hat. Selbst der bpa kündigt einen Tarif an, dem sich seine Mitglieder anschließen können und reagiert damit auf die Forderung nach Lohntarifen für alle. Die Belastung der Pflegetätigkeiten bleibt aber gleich, der Arbeitsalltag der selbe und damit die grenzwertige Versorgung unserer Patienten.

 

Der Ruf nach Pflegekammern wird seitens der Regierung immer weiter vorangebracht, obwohl der Regierung klar ist, dass die Pflegekammern rein gar nicht bewirken können, da sie nicht an Tarifverhandlungen teilnehmen, sie nicht an Verhandlungen der Personalgrenzen entscheiden. Die Pflegekammern erscheinen eher als eine Pseudo-Einrichtungen, wohin zukünftig die Probleme hinverschoben werden sollen und das auf Zwangskosten der Pflegekräfte. 

Insbesondere findet aktuell der gesamte ambulante Bereich keine Berücksichtigung in den Veränderungen seitens der Bundesregierung. Die Pflegekräfte in der häuslichen Versorgung haben aktuell das nachsehen, so dass es kaum verwunderlich ist, dass es eine Abwanderung der Pflegekräfte gibt in Richtung stationärer Pflege. Das geschaffene Gesetz führt zu einer Verschiebung der Pflegekräfte, nicht aber zur Verbesserung. Selbst engagierte häusliche Einrichtungen könnten sich finanziell nicht mit den großen Tarifen messen, oder gar mithalten, denn dafür reichen die Erlöse der Einrichtungen, die gesetzlich geregelt werden, bei weitem nicht aus. Das Gesetz „ambulant vor stationär“ wird damit aus den Angeln gehoben und mit Füssen getreten.

Die aktuellen Pflegegesetze, die sich Jens Spahn ausgedacht hat, führen zu einer Sackgasse, die das System Pflege in die familäre Situation verschieben wird, denn zukünftig wird es nicht mehr genug Pflegekräfte für den ambulanten Bereich geben, der unsere Patienten zu Hause versorgen kann.

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