Die Reform der Pflegeausbildung – Total verzettelt

Die Reform der Pflegeausbildung

Das Bundesministerium gibt ein Statement zu dem bisher geplanten Pflegereformgesetz ab. In diesem Statement wird in kurzer Form das eigentliche Ziel dargestellt. Es geht um Vereinheitlichung und wie hier ausgedrückt wurde, um Qualitätssteigerung. Dazu wird sich so geäußert:

Ziel der Reform ist, die Qualität der Pflege zu steigern und die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen, um die Pflegeausbildung zukunftsfähig zu machen. Die bisherigen Ausbildungen in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege werden weiterentwickelt und zu einem neuen einheitlichen Berufsbild zusammengeführt. Die Ausbildung wird kostenfrei. Mit dem Pflegeberufsgesetz soll dieser wichtige Schritt im kommenden Jahr umgesetzt werden.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Wir werden in Zukunft mehr Pflegekräfte brauchen. Deshalb müssen wir den Zukunftsberuf Pflege jetzt auch zukunftsfähig machen. Mit der Modernisierung der Pflegeberufe gehen wir jetzt einen weiteren wichtigen Schritt zur Stärkung der Pflege. Noch nie hatten wir so viele Auszubildende in der Pflege wie heute. Das ist zugleich eine Verpflichtung, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Pflegekräfte ihren Beruf gerne und dauerhaft ausüben. Pflegefachfrauen und –männer bekommen künftig mehr Chancen, sich beruflich weiterzuentwickeln. Das nutzt allen: den Pflegekräften wie den Pflegebedürftigen.

Unser Kommentar dazu:

Wie kann die Qualität gesteigert werden, wenn drei inhaltlich in den Fachdisziplinen und praktisch unterschiedliche Ausbildungen in eine zusammengeführt wird, wobei die Ausbildungszeit weiterhin bei drei jahren bleiben soll. Die ersten Reaktionen auf diese Frage war, dass zunächst einmal die grundsätzliche Schulzeit 1,5 Jahre der gesamten 3 Jahre dauert, so der Stand heute. Betrachtet man diese Zeit, ist ein Großteil für die Grundkenntnisse weg. In der heutigen Ausbildung dauert die Ausbildung für die Grundkenntnisse etwa 9-12 Monate und das hat seine Berechtigung. Dann verbleiben weitere sechs bis neun Monate für die Fachdisziplinen der Azubis, die auf ALLE Bereiche der Pflege vorbereitet werden sollen. Der Vollständigkeit halber beträgt die restliche Zeit 1,5 Jahre in der Praxis, wovon der überwiegende Zeitraum im eigenen Betrieb verbracht wird.

Mädchenwohnheim für pflegerischen Nachwuchs - Pflegeschule-Velbert/Rheinland-Pfalz Unterrichtsraum

Dieser Ausbildungs-Spagat kann nur erreicht werden, wenn dieser Galopp-Unterricht in drei sehr komplexen Bereichen durchgeführt wird, wobei vertiefende Themen nicht mehr stattfinden, weil es dafür schlicht und ergreifend keine Zeit mehr gibt. Im Anschluss an die bestandene Prüfung werden die neuen Pflegefachkräfte auf die Patienten losgelassen und aus unserer Sicht mit gefährlichem Halbwissen alleine gelassen. Die Qualität, die zuvor von den Altenpflegern, Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern erreicht wurde, ist mit den neuen Pflegefachkräften nicht zu erreichen, das ist ein utopischer Gedanke und nicht realisierbar.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bundesregierung offensichtlich für sich beschlossen hat, dass die Zusammenlegung der Ausbildungen beschlossen ist. Sie haben aber bis zu diesem Zeitpunkt kein inhaltliches Ausbildungskonzept vorgelegt. Hier besteht offensichtlich eine Lücke im gesamten Konzept. Der Weg kann nicht richtig sein. Hier verzetteln sich die Politiker mit dem Gedanken, dass mehr Pflegekräfte gebraucht werden. Der Zusammenlegungsgedanke wird nur mit erheblich sinkender Qualität einhergehen können.

Schlechter geschultes Pflegepersonal wird dennoch die Verantwortung am Patienten weiterhin voll übernehmen müssen. Sie werden durch dieses unüberlegte Konzept auch in eine rechtliche Schieflage gebracht werden. Der Leidtragende wird die Pflegefachkraft und letztlich auch der Patient sein.

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